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Körperbild in Bewegung

Warum die Arbeit mit dem inneren Bild so wesentlich ist


Unser Körper begleitet uns ein Leben lang.

Doch wie wir ihn innerlich sehen, spüren und bewerten, ist kein festes Abbild, sondern ein lebendiger, wandelbarer Prozess. Dieses innere Bild nennen wir Körperbild. In der Tanz- und Ausdruckstherapie ist es ein zentrales Wirkfeld körperorientierter Arbeit.


Körperbildarbeit in der Tanztherapie - Praktische Erfahrung in der Ausbildung in Tanz- und Ausdruckstherapie.

Was ist das Körperbild?

Das Körperbild ist die subjektive Vorstellung, die wir von uns selbst haben. Es umfasst bewusste und unbewusste Anteile und bildet eine wesentliche Grundlage unseres Selbstbewusstseins und unserer Ich-Identität. Es ist kein objektives Spiegelbild, sondern eine geistige, emotionale und körperliche Abfolge von Erfahrungen, Bewertungen und Empfindungen.

Das Körperbild

  • verändert sich ständig

  • ist von Stimmungen, Lebensphasen und Beziehungen beeinflusst

  • trägt Erinnerungen, Zuschreibungen und innere Bilder in sich

  • wirkt auf unser Erleben von Nähe, Distanz, Selbstwert und Handlungsspielraum.

Das Körperbild entsteht früh – im Anschauen, Angreifen, Spiegeln und im Feedback der Umwelt. Eltern-Kind-Beziehung, Empathie, Widerstand, Übergangsobjekte, Urvertrauen und frühe Bewegungserfahrungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Später wird das Körperbild durch neue Erfahrungen immer wieder erweitert, verunsichert oder neu integriert.


Was prägt unser Körperbild?

Unser Körperbild entsteht nicht im luftleeren Raum. Es wird geformt durch eine Vielzahl von Einflüssen, unter anderem durch

  • gesellschaftliche und kulturelle Normen einer Epoche,

  • medizinische, religiöse und moralische Vorstellungen vom Körper,

  • Rollenzuschreibungen aus Literatur, Film, Theater und Medien,

  • Erfahrungen von Berührung, Zuwendung oder Abgrenzung in der Kindheit,

  • das Körpergefühl von Eltern, Geschwistern und Partner:innen,

  • Ernährung, Kleidung und Zugehörigkeit,

  • Lebensalter, Gesundheit und biografische Übergänge.


All diese Faktoren hinterlassen Spuren – sichtbar oder verborgen – im inneren Bild unseres Körpers.


Die Ebenen des Körperbildes

In der tanztherapeutischen Arbeit betrachten wir das Körperbild auf mehreren Ebenen:


Selbstbewertungsebene

Wie sehe und bewerte ich mich? Kann ich mich im Spiegel betrachten? Wie erlebe ich Fotos von mir? Verberge oder kontrolliere ich Teile meines Körpers?


Wahrnehmungsebene

Wo beginne und ende ich? Wie spüre ich meine Grenzen? Wie unterscheide ich mich von meiner Umwelt?


Personale Kontrolle

Wie nehme ich Bedürfnisse wahr? Wie erlebe ich Sinneseindrücke, Spannung, Entspannung, Empfindungen – und kann ich darauf reagieren?

Diese Ebenen sind eng miteinander verwoben und wirken direkt auf Beziehungserleben und Selbstregulation.


Körperbildarbeit in der Tanztherapie

In der Tanztherapie ist Körperbildarbeit ein prozesshafter Bestandteil. Sie lädt dazu ein, den eigenen Körper wahrzunehmen, auszudrücken, zu gestalten und neu zu integrieren. Dies kann über gemalte Körperbilder, einzelne Körperteile oder Organe geschehen, die reflektiert und anschließend wieder in Bewegung gebracht werden.

Besonders bewährt ist Körperbildarbeit etwa bei Essstörungen, psychosomatischen Beschwerden und chronischen Schmerzen, in Lebensphasenübergängen, bei der therapeutischen Arbeit mit Identität, Selbstwert und Beziehung.


Dabei wird das Körperbild stets in Verbindung mit dem Körperschema betrachtet – dem gespürten, neuropsychologisch repräsentierten Körper. Veränderungen oder Störungen im Körperschema wirken immer auch auf das Körperbild, und umgekehrt.


Gestaltung eines lebensgroßen Körperbildes

Im Rahmen unserer Ausbildung in Tanz- und Ausdruckstherapie wird das Thema Körperbild nicht nur theoretisch vermittelt, sondern praktisch, kreativ und körperlich erfahrbar gemacht.

Die Teilnehmenden gestalten etwa ein lebensgroßes Körperbild auf Papier. Ein leerer Umriss, der Raum bietet für Wahrnehmung, Erinnerung und Resonanz. Bei der Betrachtung entsteht ein erstes Wort – ein inneres Echo auf das eigene Bild.

Mit Farben, Post-its, Fotos und Begriffen werden Empfindungen, Bewertungen und Assoziationen im Körperbild verortet. So wird Körpergeschichte sichtbar: Wandel, Brüche, Kontinuitäten.


Anschließend wird das Körperbild in Bewegung übersetzt: Allein, in Zweiergruppen, in Kleingruppen tanzen die Teilnehmenden ihr Bild – Linien, Spannungen, Begriffe, Farben, Formen, fehlende Stücke, angenehme und unangenehme Empfindungen oder Erinnerungen finden Ausdruck im Körper.


In dieser Arbeit wird auch deutlich, wie wichtig Resonanz in der Körperarbeit ist. Wenn das innere Bild gesehen, gespiegelt, bewegt und geteilt wird, entsteht Beziehung – zu sich selbst und zu anderen. Resonanz zeigt sich im Mitschwingen, im Antworten, im Erkennen ohne Bewertung.

Körperbildarbeit ist deshalb immer auch Beziehungsarbeit.


Ein Raum für Integration

Körperbildarbeit braucht Zeit, Sicherheit und Achtsamkeit. Sie lädt ein, den Körper nicht als Objekt zu betrachten, sondern als sprechendes Gegenüber. Im Tanz kann Integration geschehen – behutsam, kreativ und in Resonanz.


So wird Körperarbeit zu einem Weg, Beziehung neu zu erfahren.

 
 
 

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